Arbeitstagung 2008 der DKV Drucken
Arbeitstagung 2008 der DKV Um träge Massen in Bewegung zu setzen, muss man erhebliche Energien aufwenden – das gilt nicht nur in der Physik, sondern auch in der Politik und im Tierschutz. Dieses Motto zog sich wie ein roter Faden durch die Arbeitstagung 2008 der Dachorganisation der Katzenschutzvereine. Das alljährliche Treffen - ein reger Gedanken- und Erfahrungsaustausch von Mitgliedern der Katzenschutzvereine aus ganz Deutschland – fand wie im Vorjahr am Samstag, den 11. Oktober 2008 in der Gaststätte „Fuchs im Hofmann`s“ in Düsseldorf-Bilk statt.

Punkt 14 Uhr eröffnete Rudi Wolff die Versammlung und begrüßte die 42 Teilnehmer. Zu Beginn musste wie in jedem Jahr die übliche Bitte ausgesprochen werden, Änderungen der Anschrift, der E-Mail-Adresse und der Telefonnummer umgehend zu melden.

Dann ging es los mit den Sachthemen, beginnend mit der von Sonja Stahl von der „Katzenhilfe Westerwald“ betriebenen Initiative, deren Ziel der Erlass einer Katzenschutzverordnung für Deutschland ist. Analog zu der bereits existierenden Hundeschutzverordnung sollte so etwas auch für Katzen möglich sein. Sonja Stahl musste bereits feststellen, wie treffend der einleitende Satz gerade in der Politik ist. Es werden nun Anregungen und Ideen gesucht, wie die Vereine bei Politikern vorstellig werden und im Sinne des Tierschutzes Druck ausüben können. Auch werden Vorschläge gesucht, welche Punkte bei Ordnungsämtern greifen.

Eine Möglichkeit wäre, als Dachorganisation an die Öffentlichkeit zu gehen – und das funktioniert heute am besten mit einem gemeinschaftlichen Internetauftritt der DKV. Gibt man zahlreiche Google-relevante Suchworte ein, erreicht man hohe Zugriffszahlen und kann eventuell mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:
- Erst einmal kann man die Forderungen an die Politiker einem breiten Publikum zugänglich machen und auf Fehlverhalten der Parteien hinweisen, die ihre eigenen Grundsätze nicht einhalten.
- Wichtig ist der Hinweis, dass vermittelte Katzen kastriert werden müssen, da die Mehrzahl der Tiere, die beim Tierschutz landen, aus Privathaushalten stammen. Als gutes Vorbild ist die Stadt Paderborn zu nennen, die bereits eine Kastrationspflicht eingeführt hat.
- Die Ordnungsämter sollten darauf hingewiesen werden, dass Krankheiten drohen, wenn sich niemand um eine tierschutzgemäße Kontrolle der Katzenpopulation kümmert.
- Um die Vermittlungstätigkeit der Vereine zu stärken, können auch in dieser Hinsicht viele Suchbegriffe auf der Homepage eingefügt werden. Sucht dann jemand im Internet nach Züchtern, muss die Seite der DKV weit vorne liegen und auf die Katzenvermittlung durch die Katzenschutzvereine hinweisen. Sinnvoll ist eine regionale Aufgliederung, damit die Interessenten Tier- und Katzenschutzvereine in der Nachbarschaft ansprechen. Dabei kann darauf hingewiesen werden, dass auch diese Vereine  u.U. sämtliche Katzenarten  zu vermitteln haben.

Ramona Stöpgeshoff vom CSC Hagen erklärte sich bereit, den Entwurf eines Internetauftrittes der Dachorganisation zu erstellen. Allerdings müssen auch noch die Auswahl des Providers und die Übernahme der Kosten für den Speicherplatz geklärt werden.

Ein sehr interessanter Vorschlag, um den zahlreichen privaten Katzenzüchtern das Handwerk zu legen, ist folgender: Einfach die betreffenden Anzeigen in den Zeitungen sammeln und an Finanz- und Ordnungsämter schicken, denn die meisten dieser Katzenvermehrer dürften wohl weder einen Gewerbeschein besitzen noch die Einkünfte beim Finanzamt angeben.

Helena Bracklow aus Bonn bat um Erfahrungsaustausch, wer Erfahrungen mit verwilderten Katzen hat und wie man mit diesen umgehen könnte. Eine allgemeingültige Antwort konnte erwartungsgemäß niemand geben, sondern lediglich eine Reihe von Tipps:
- Wichtigster Punkt ist natürlich, die Tiere einzufangen und kastrieren zu lassen. Sollten die Tiere nicht vermittelt werden können, verschlimmert das Zurücksetzen an die gleiche Stelle deren Situation nicht.

- Vor dem Einfangen ist darauf zu achten, dass keine Katzenbabies vorhanden sind. Falls nach dem Einfangen festgestellt wird, dass die Mutter säugt, ist es besser, sie erst einmal wieder freizulassen. Manche Tierärzte kastrieren allerdings mit einem derart kleinen Schnitt, dass auch weibliche Tiere abends wieder freigesetzt werden können.
- Mit dem Umsetzen in andere Gegenden gibt es sehr unterschiedliche Erfahrungen; manche Katzen wollen immer wieder auf ihr Heimatgelände zurück, andere lassen sich problemlos umsiedeln.
- Manche Tierheime haben die Möglichkeit, nicht vermittelbare Katzen auf einem Außengelände am Tierheim sozusagen auszuwildern und an die Gegend zu gewöhnen.
- Das Aussetzen auf einem Bauernhof ist schon deswegen problematisch, weil dort in der Regel bereits etliche Katzen leben, die ihr Revier verteidigen werden.
- Katzenbabies sollte man möglichst trennen bzw. lediglich zwei zusammenlassen. Oft verbünden sich mehrere gegen einen und mobben diesen dann.
- Auch ist es sinnvoll, Jungtiere per Hand aufzupäppeln, damit sie handzahm und vermittelbar werden.

Denise Thiele vom KSB Essen gab einen Erfahrungsbericht über die Ausbildung als Tierschutzberater des Deutschen Tierschutzbundes. Man erhält während des Wochenendseminars sehr interessante Informationen, bekommt einen Ausweis und soll dann als Vermittler zwischen den Ämtern und der Bevölkerung fungieren. Allerdings ist der Nutzen hinsichtlich des Katzenschutzes relativ gering, da praktisch das gesamte „Tierschutzhandbuch“ des DTB  durchgenommen wird – ein viel zu umfangreiches Thema für ein Wochenende und eher mit Schwerpunkt auf die Hundeschutzverordnung. Sinnvoller ist der Erfahrungsaustausch der Katzenschutzvereine untereinander – und genau das ist der Sinn der Dachorganisation.

Die Tierarztkosten wurden um 12 % erhöht, eine erhebliche Belastung für die Vereine. Es ist aber darauf hinzuweisen, dass laut Gebührenordnung 20 % der Behandlungskosten (inklusive Mehrwertsteuer) gespendet werden dürfen, zwar zeitlich unabhängig von der Rechnung und nicht aus dem Betriebsvermögen, aber verhandeln kann man über alles. Betreuungskosten für Tierheime und Außenstellen (geschlossene Tierbestände z.B.) können übrigens unabhängig von der Gebührenordnung vereinbart werden.

Über private Tiertafeln lagen den Anwesenden keine Informationen vor. Die Tiertafel Deutschland mit Sitz in Berlin ist bundesweit tätig, hat aber ziemlich strenge Richtlinien, die von vielen Vereinen nicht erfüllt werden können. Will man von der Tiertafel unterstützt werden, muss dafür ein Raum von mindestens 100 m² zur Verfügung gestellt werden, der auch für ältere Menschen und Behinderte zugänglich ist und eine Beratungsecke aufweist. Zudem werden nur die Nebenkosten, nicht die Raummiete übernommen.

Während der offizielle Teil der Versammlung dann gegen 19 Uhr endete, konnte, wer wollte, noch bleiben und im kleinen Kreis weiter diskutieren.
Eine Fotogalerie der Tagung gibt es natürlich auch!
af

Kurz vor Redaktionsschluss traf noch eine wichtige Information ein:
Die Aktionsgemeinschaft für Tiere Langenfeld/Monheim e.V. hat am 23.10.08 beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein bahnbrechendes Urteil erstritten, nachdem das Verwaltungsgericht in Düsseldorf und das Oberwaltungsgericht in Münster nicht im Sinne von praktischem Tierschutz entschieden hatten. Laut Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes (BVerwG 7 C 9.08) bedarf es für einen Verein keiner Erlaubnis nach dem Tierschutzgesetz, wenn er Tiere aufnimmt und bis zur Vermittlung an neue Halter von Tierfreunden - auf Kosten und nach Vorgaben des Vereins - vorübergehend in deren Wohnungen betreuen lässt.